Alles über Heu für Kühe – auf was kommt‘s an?

Heu für Wiederkäuer zu – denen natürlich nicht nur Kühe sondern auch Schafe, Ziegen, Kälber, Wild etc. zählen, bevorzugen im Gegensatz zu den Pferden ein ganz anderes Heu. Anhand von Fakten schlüsseln wir auf, welches Heu das Beste für Kuh, Schafe und Ziegen ist.
Heu für Wiederkäuer also Kühe, Schafe, Ziegen,… sollte hohe Nährstoffgehalte aufweisen (Protein, Energie) sowie eine hohe Vertraulichkeit aufweisen. Die Fütterung von Nutztieren fällt unter das Futtermittelgesetz. Dementsprechend dürfen Grenzwerte bei der Fütterung nicht überschritten werden. Ziel jedes Landwirtes ist es möglichst viel Milchleistung bzw. Fleischleistung aus dem Tier zu gewinnen. Die ARGE Heumilch veröffentlichte dazu vor einiger Zeit die Information, dass aus Heufütterung alleine bis zu 6000 kg/Milch pro Kuh und Jahr generiert werden kann. Wohlgemerkt: ohne Kraftfuttereinsatz!

Der Schnittzeitpunkt

Absolut entscheidend ist der Schnittzeitpunkt des Heus. Der Schnittzeitpunkt entscheidet darüber wie viele Nährstoffe und Energie die geerntete Pflanze in sich trägt. Beim sogenannten Ähren-Rispenschieben erhalten wir ein Optimum an Ertragsmenge und Vertraulichkeit und ca. 15 Liter Milch pro Kuh und Tag. Sobald sich bei ca. 50% der Leitgräser des Bestandes die Ährenspitzen seitlich aus der Blattscheide herausdrängen, spricht man vom Ährenschieben. Wird erst in der Blüte gemäht reduziert sich die Milchleistung auf nur mehr 5 Liter pro Tag. An diesem Vergleich ist sehr gut zu erkennen wie wichtig der Schnittzeitpunkt für die Wirtschaftlichkeit eines landwirtschaftlichen Betriebes ist. Ist der Schnittzeitpunkt gut gewählt und ist es aufgrund des Wetters auch möglich zu mähen, können wir uns viel Geld an Kraftfutter sparen. Vorteile ergeben sich natürlich für alle Betriebe, die mit einer Heutrocknung ausgestattet sind, da diese in der Lage sind aufgrund der Wetterunabhängigkeit den Schnittzeitpunkt besser zu wählen.

Die Feldliegezeit

Je öfter das Heu mit dem Kreiselheuer gewendet werden muß, desto höher sind die Blattverluste und damit die Energieverluste des Futters.

Je öfter das Heu mit dem Kreiselheuer gewendet werden muß, desto höher sind die Blattverluste und damit die Energieverluste des Futters.

Generell gilt Heu mit einer Restfeuchte von unter 14% als lagerfähig. Empfohlen wird hingegen eine Restfeuchte von 12% da das Futter unter Dach meistens noch etwas nach schwitzt.
Die Feldliegezeit gibt die Zeit zwischen Mähen und Einbringung in den Heustock an.

Diese ist sehr variabel zu sehen. Je nach Wetter variiert diese zwischen 2 und 4 Tage bei Bodenheu und bei maschinell getrocknetem Heu zwischen 1 und 2 Tagen. Kernunterschied dieser beiden Heuvarianten ist die maschinelle Bearbeitung am Feld. Logisch das bei Bodenheu sehr oft der Kreisel zum umdrehen des Heus im Einsatz ist.

Je nach persönlicher Erfahrung wird pro Feldliegetag zumindest einmal mit dem Kreisler das Heu umgedreht. Das Hauptproblem am Kreiseln ist, das mit zunehmender Abtrocknung sogenannte Bröselverluste entstehen. Diese sind besonders häufig ab einer Restfeuchte kleiner gleich (<=) 35%. Bei den sogenannten Bröselverlusten fallen durch die maschinelle Bearbeitung die Blätter von der gemähten Pflanze. Gerade hier sind die wichtigen Nährstoffe für die Tiere enthalten. Auch hier sind Betriebe mit Heutrocknungen bevorteilt, da viele Heutrocknungen bereits Heu mit einer Restfeuchte von 40% Wasser trocknen können ohne überfordert zu werden. Hier ist anzumerken, dass etwas mehr Wetterunabhängigkeit mit einem Trocknungsgerät (Entfeuchter/Warmluftofen) erreicht werden kann.

Bei der Trocknungsart trennt sich sozusagen das Streu vom Weizen auf Heu gesehen. Maschinell getrocknetes Heu hat den bei weitem größeren Blattanteil und dadurch die höhere Energie! Belüftungsheu kann ausgehend von den Inhaltsstoffen absolut mit Grassilage verglichen werden.

Rohprotein

Der Rohproteingehalt (g/kg Trockenmasse) gibt die Eiweißversorgung an. Darin enthalten ist alles was Stickstoff enthält (Aminosäuren, Proteine, Protide = Proteinbausteine). Bei Kühen ist allgemein bekannt, dass diese zur gesunden Selbsterhaltung ein halbes Kilo Eiweiß pro Tag benötigen. 39 g benötigt die Kuh für jeden Liter Milch.

Rohfaser

Wenn man an Rohfaser denkt, hat man sofort den Stengel der Pflanze im Kopf. Fasern sind absolut notwendig damit in der Kuh die Pansenmotorik funktioniert. Durch das Kontrahieren, also das zusammenziehen des Pansen welches einmal in der Minute passiert, hat die Rohfaser eine stechende Wirkung. Dadurch weiß der Pansenmuskel, dass er mischen muss. Zu hohe Rohfasergehalte können allerdings auf eine schlechte Futterverdaulichkeit hinweisen. Wir sprechen hier von über 27% Rohfaser. Durch den Rohfaserabbau bildet sich auch Methangas.

Zucker

Bei Zucker handelt es sich um eine schnell abbaubare Kohlenhydratfraktion im Pansen und ist damit eine schnelle Energiequelle. Bei hohen Zuckergehalten im Heu (über 13%) soll die Kraftfutterrationen genauer und in kleineren Mengen durchgeführt werden! Überhöhte Werte bergen die Gefahr der Pansenübersäuerung durch übermäßige Säureproduktion im Pansen. Bei einer Übersäuerung sterben die für die Verdauung wichtigen Bakterien ab. Es kommt zur Bildung von Giftstoffen – diese müssen durch die Leber entgiftet werden. Zu häufige Pansenübersäuerungen resultieren in Unfruchtbarkeit und der Klauenkrankheit Klauenrehe.

Rohasche

Bei der Futtermitteluntersuchung wird das angelieferte Material bei 550° verbrannt. Der Rückstand besteht aus verschiedenen Mineralstoffen und Sand. Man geht davon aus, dass bei einem Kilo Futter max. 100 Gramm Mineralstoffe enthalten sind. Ist der Wert der Rohasche höher als 100 Gramm kann davon ausgegangen werden, dass es sich beim Rest um Futterverschmutzung handelt. Hygienisch belastetes Material macht Verdauungsprobleme und führt zu Fehlgährungen im Pansen. Mit deinem hohen Rohascheanteil steigt auch die Chance der Futterverpilzung.

Umsetzbare Energie (Rinder Tiermast) und Nettoenergie (Milchviehbetriebe)

Neben dem Rohprotein ist die Umsetzbare Energie MJ Nel (Nettoenergielaktation) ein Wert auf den die Milchleistung der Kuh runtergebrochen werden kann. Als Faustregel gilt hier, dass die Kuh ca. 40 MJ Nel zur Selbstversorgung benötigt. 3,2 MJ NEL (Nettoenergielaktation) werden pro Liter Milch benötigt. Allseits bekannt ist, dass eine Kuh pro Tag ca. 20 Kilo Heu frisst. Basierend auf diesem Wissen kann man sich nun aufgrund einer vorliegenden Futtermittelanalyse die daraus resultierende theoretische Milchleistung berechnen(Umsetzbare Energie + Rohproteien + 20 Kilo Heu pro Tag = Milchleistung pro Tag). Und was noch viel wichtiger ist, fehlende Bausteine durch Kraftfutter ergänzen.

Die letzten Bauern brennen zu Weihnachten

Wiederholend möchte ich an dieser Stelle noch einmal separat auf die Restfeuchte des Futters eingehen. Absolut wichtig ist das Futter unter eine Restfeuchte von zumindest 14% zu bringen. Durch die Heuselbsterwärmung kann es zur Selbstentzündung kommen. Hat man aufgrund von rauchigen Gerüchen im Heustock den Verdacht der Heuselbsterwärmung, ist vor weiteren Maßnahmen unbedingt die Feuerwehr zu verständigen. Löschbereit können dann weitere Maßnahmen gesetzt werden.
Generell empfehlen sich Heu- Temperatur und Feuchtemessgeräte. Diese sind in den unterschiedlichsten Varianten erhältlich. Empfehlen kann ich persönlich digitale Geräte. Diese sind bei weitem nicht so träge als analoge und der Messwert kann sehr schnell abgelesen werden.

Fazit

Eine hohe Grundfutterqualität wird bei steigenden Kraftfuttermittelpreisen immer wichtiger. Futtermittelanalysen können dabei helfen das eigene Grundfutter besser zu verstehen und die eigenen wirtschaftlichen Erträge durch gezielte Ergänzungen zu verbessern. Mit einer hohen Grundfutterqualität wird die Kuh von vornherein ideal mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Man will auch herausgefunden haben, dass eine Kuh von maschinell getrocknetem Heu bis zu 3 Kilo mehr frießt. Pro Kilo Heu lasen sich 0,7 Kilo Kraftfutter bei gleicher Milchleistung einsparen. Maschinell getrocknetes Heu ist anhand der Inhaltsstoffe mit einer Grassilage vergleichbar.