Gesunde Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Denn die meisten Meerschweinchen und Kaninchen, die krank in meiner Praxis vorgestellt werden, sind krank aufgrund falscher Ernährung.
Zahnprobleme, Abszesse, Verdauungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Blasensteine u.v.m.– können durch falsche Ernährung ausgelöst werden.

Glücklicke, gesunde Kaninchen brauchen die richtige Ernährung.

Dieser Text wurde von Tierärztin Dr. Diana Ruf erstellt und auf Facebook geteilt. Auch uns ist das Thema sehr wichtig! Aus diesem Grund haben wir nach Rücksprache mit Dr. Diana Ruf den Artikel her nochmals veröffentlicht. Denn je mehr Kaninchen- oder Meerschweinchenhalter wissen, desto besser.

Die Ernährung von Meerschweinchen und Kaninchen muss vor allem drei Voraussetzungen erfüllen:

1) Die Nahrung muss Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe in der richtigen Menge liefern:

Zu wenig führt zu Mangelerscheinungen, zu viel Energie führt bespielsweise zu Fettleibigkeit. Zu dicke Tiere neigen zu Stoffwechselstörungen, Gelenkproblemen aber auch lebensbedrohlichen Verdauungsstörungen. Zu viel von bestimmten Mineralstoffen führt zu Harngries oder gar Harnsteinen.

2) Die Nahrung muss dafür sorgen, dass die Zähne optimal abgenutzt werden:

Meerschweinchen und Kaninchen leben ursprünglich in Gras- und Steppenlandschaften. Sie müssen sich also von Gras ernähren, das wenig gehaltvoll ist. (Wer schon mal versucht hat, von grünem Salat dauerhaft satt zu werden, weiß was ich meine). Um trotzdem satt zu werden, müssen die Tiere sehr viel Gras zu sich nehmen. Sie kauen den ganzen Tag. Beim Kauen reiben die Zähne aneinander und wären durch diese ständige Kauerei eigentlich innerhalb kurzer Zeit bis auf kleine Stummel abgewetzt. Daher hat die Natur Kaninchen und Meerschweinchen mit dauerhaft nachwachsenden Zähnen ausgestattet. Die Schneide- und die Backenzähne von Meerschweinchen und Kaninchen wachsen lebenslang ca. 1cm pro Monat.
Die Zähne wachsen allerdings ganz genauso schnell, wenn es eigentlich gar nicht nötig wäre. Auch wenn ein Tier gar nicht so viel kauen muss, weil es Futter bekommt, das energierreicher als Gras ist, wachsen die Zähne trotzdem.
Bekommen Meerschweinchen und Kaninchen also Futtermittel, die schneller satt machen als Gras, kauen sie weniger und die Zähne werden zu lang. Das ist die Ursache der meisten Zahnprobleme bei Kaninchen und Meerschweinchen.
Zahnprobleme bei Kaninchen und Meerschweinchen sind also nahezu immer die Folge falscher Fütterung. „Fehlstellungen“ sind nahezu nie angeboren sondern entstehen fast immer durch zu schlechte Zahnabnutzung.
Kaninchen- und Meerschweinchenzähne haben außerdem sehr empfindliche Zahnwurzeln, die durch das Kauen von zu hartem Futter, das nicht gemümmelt werden kann sondern zerbissen werden muss, geschädigt werden. Nicht gefüttert werden dürfen daher getrocknete Gemüsestücke, Maiskörner, Johannisbrot, Pellets, Sonnenblumenkerne mit Schale etc.

Zur richtigen Ernährung von Kaninchen gehört auch gutes Heu!

Eine verbreitete, aber falsche Meinung ist, dass man den Tieren etwas „Hartes“ wie trockenes Brot o.ä. anbieten müsse, um den Zahnabrieb zu fördern. Das ist nicht richtig, denn das Einzige, das so hart ist, dass es einen Zahn abreiben kann, ist ein anderer Zahn. Dieser Abrieb, Zahn auf Zahn, passiert beim ganz normalen Kauen.

3) Die Nahrung muss im Darm abbaubar sein:

Im Magen-Darmtrakt von Mensch und Tier werden Nahrungsbestandteile durch Enzyme zersetzt und über die Darmwand aufgenommen. Leider können Faserbestandteile (beim Menschen Ballaststoffe genannt) von diesen Enzymen nicht zersetzt werden und stehen somit nicht als Nährstoffe zur Verfügung.

Bestimmte Bakterien können solche Faserstoffe jedoch zersetzen. Solche Bakterien befinden sich z.B. im Dickdarm (auch beim Menschen). Meerschweinchen, Kaninchen und andere besitzen zusätzlich eine Gärkammern im vergrößerten Blinddarm. Es wird der Verdauungsbrei dort zusätzlich abgebaut bzw. zersetzt. Mikroben wachsen und vermehren sich dabei. Nach der Ausscheidung wird dieses Mikrobenprotein wieder gefressen und stellt eine sehr wertvolle Eiweißquelle dar.
Werden zu viele rasch verdauliche Kohlenhydrate gefüttert oder gelangen solche durch unzureichende Darmverdaulichkeit in den Blinndarm, kann es zu übermäßiger Gasbildung im Blinndarm kommen, wodurch Koliken ausgelöst werden.

Heu besitzt ein ausgewogenes Verhältnis an Dündarm- und bakterienverdaulichen Kohlenhydraten. Es fördert durch den hohen Faseranteil zusätzlich die Darmmotorik und Dickdarmfermentation.

Alles ganz schön kompliziert?!

Die Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen ist eine Wissenschaft für sich?
Ja und nein. Einerseits ist das Thema wirklich sehr komplex, andererseits ist die Lösung und damit die optimale Ernährung eigentlich ganz einfach, denn man muss nur wissen, auf welches Futter Zähne und Verdauungstrakt der Tiere optimal eingerichtet sind: Dieses Futter ist Gras!
Wenn man sich daran orientiert, kann man nichts falsch machen.

Im Sommer bekommen die Tiere frisches Gras und Wiesenkräuter als Hauptfutter. Getrocknetes Gras, also Heu, sollte zusätzlich immer zur Verfügung stehen. Gerne werden auch Blätter und Zweige von Obstbäumen, Haselnussträuchern etc. gefressen.
Im Winter wird es mit Wiesenfütterung schwierig, da muss man dann auf grünes Blattgemüse ausweichen. Gefüttert werden können z.B. Karottengrün, Radicchio, Chicorée, Kohlrabiblätter, Kräuter, Fenchelgrün Spinat, Selleriegrün, Mangold, Chinakohl, Wirsing, Grünkohl, Weißkohl, Rotkohl. Dazu gibt es immer Heu zur freien Verfügung.

Kohl ist tatsächlich ein wunderbares Winterfutter, wilde Kaninchen ernähren sich oft ausschließlich von Kohl, denn Kohl ist das Einzige, das im Winter bei Schnee noch auf den Feldern steht.
„Normale“ Salate sind zu weich, sie sollten nur einen kleinen Teil der Winterernährung ausmachen.
Zurückhaltend sollten „richtige“ Gemüse wie Karotten, Fenchel, Sellerie, Paprika, Gurke etc. gefüttert werden. All diese Gemüse machen nämlich deutlich schneller satt als Gras. Bei übermäßiger Gabe führen sie deshalb zu Zahnproblemen. In kleinen Mengen sind solche Gemüse allerdings heißbegehrt und dürfen gefüttert werden.

Wenn Sie die Ernährung Ihrer Tiere jetzt umstellen wollen, beachten Sie bitte unbedingt, dass jede Futterumstellung immer sehr langsam erfolgen muss! Die Bakterienflora des Blinddarms, auf die Kaninchen und Meerschweinchen angewiesen sind, muss sich erst auf neue Futtermittel einstellen und anpassen. Tiere, die wenig Gras und Grünes, dafür aber auch Fertigfutter oder Brot o.ä. bekommen, müssen bitte über mindestens vier Wochen „entwöhnt“ werden. Die Menge an schlechtem Futter langsam vermindern, die Menge an Grünem ganz langsam erhöhen. Langsam muss auch Kohl in den Speiseplan eigeführt werden. Ist eine Umstellung auf diese Weise erfolgt, und eine gesunde Darmflora entstanden, dann vertragen Kaninchen und Meerschweinchen Gras, Wiese, Grünes und auch Kohl in unbegrenzter Menge.

Geschrieben von Tierärztin Dr. Diana Ruf, Juli 2017

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